Während in Fastnachtshochburgen wie Mainz und Köln bereits in den frühen Zeiten des 20. Jahrhunderts Karneval gefeiert wurde, gab es in Leeheim zunächst keine ausgeprägten Fastnachts- oder Karnevalsbräuche. Jedoch gab es erste Ansätze um 1930 als Männer und Frauen – häufig in Lumpen, manchmal auch in feinen Kleidern – durch die Straßen Leeheims zogen und um Geld oder Kreppel baten und die Bevölkerung mit gesungenen Reimen unterhielten.
Diese Fastnachtsspiele waren meist von Menschen von außerhalb, die teilweise als „Großvater und Großmutter“ mit ausgestopftem „Buckel“ auftraten oder mit Instrumenten lautstark Stimmung machten. Auch Kinder traten später verkleidet auf, meist einfach und lumoig, und baten mit Reimen um Kreppelspenden; so zum Beispiel mit:
„Ich seun en arme Seppel,
ach gebt mer doch en Kreppel.“
Das Backen der Kreppel am Fastnachtstag war ein fester Bestandteil der Leeh’mer Fastnacht – ohne Kreppel gab es keine Faschingszeit. Ein alter Fastnachtsspruch der Kinder ist heute nahezu vergessen:
„Wenns Fastnacht ist, wenns Fastnacht ist,
da schlacht der Vadder einen Bock,
die Mutter geht im Hof herum,
mit ehrm verrissene Rock.“
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden erste karnevalistische Veranstaltungen in Leeheim versucht. Verschiedene Sitzungen und Festivitäten kamen zwar zustande, blieben aber ohne dauerhaften Erfolg, weil keine feste Gruppe die Organisation trug und damit keine kontinuierliche Besucherbindung entstand. Tanzveranstaltungen waren ebenfalls selten; nur vereinzelt fanden Lumpenbälle oder einfache Tanzabende statt. Erst ab den 1950er und 60er Jahren wurden Maskenbälle, Tanzveranstaltungen und Sitzungen häufiger in die Aktivitäten der Vereine aufgenommen. Besonders bekannt wurde ab den 1980er Jahren der Maskenball der Gymnastikfrauen, der über Jahrzehnte zu einem regionalen Highlight avancierte.
Die ersten festen karnevalistischen Sitzungen in Leeheim fanden im Gasthaus Rheintal statt, initiiert durch den Männergesangverein und den Sportverein FC Germania 1907 Leeheim. Diese Veranstaltungen, im Volksmund oft „Kappenabende“ genannt, waren gut besucht und der Saal stets voll, blieben aber nur von kurzer Dauer; 1960 Jahre findet sich der letzte dokumentierte Sitzungstermin dieser Vereine. Unterlagen über Sitzungen weisen den 20.2.1960 als den letzten Sitzungstermin des MGV und den 31.01.1959 des FC Germania aus.
Der Leeheimer Carneval Verein (LCV) wurde schließlich 1966 gegründet. Er entstand nicht als eigenständiger Verein, sondern als Zusammenschluss mehrerer Leeh’mer Vereine: des Männergesangvereins 1853, der Freiwilligen Feuerwehr, des Geflügelzuchtvereins und des FC Germania Leeheim. Damit war eine stabile organisatorische Basis geschaffen, auf der nachhaltige Fastnachtsarbeit aufgebaut werden konnte.
Am 20. Januar 1967 fand im Rheintal die erste gemeinsame Kappensitzung des neuen LCV statt. Erster Sitzungspräsident war Dieter Dörr, der dieses Amt bis 1971 innehatte. Ab 1972 folgten mehrere weitere Präsidenten und Elferratschefs: Karl Greim, Ludwig Jung sowie Helmut Nold, unter dessen Leitung 1975 die Sitzungen erstmals in die neue Sport- und Kulturhalle verlegt wurden – ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Gleichzeitig bestand der LCV zu dieser Zeit nur noch aus dem Gesangverein, der Feuerwehr und dem FC Germania.
In den folgenden Jahren führte eine Reihe von Präsidenten den Verein durch wechselvolle Zeiten und prägten die weitere Entwicklung. Albert Müller begann 1986 erstmals erfolgreich mit der Verjüngung des Elferrats, der langjährige Rosenmontagsball wurde erstmals ausgerichtet und der Gesangsverein zog sich aus der Fastnacht heraus. Nach Klaus-Dieter Jung (1992-1996) und Andreas Wiesenäcker (1997-1999) begann beim LCV eine Ära der Kontinuität in der Sitzungspräsidentschaft: Horst Reinhardt lenkte sechzehn Jahre, von 1999 bis 2015, die Geschicke des Elferrates und seit nunmehr närrischen 11 Jahren hat sein Nachfolger Patrick Fiederer das Zepter in der Hand. 2016 löste sich auch die Freiwillige Feuerwehr aus dem LCV, und der Leeheimer Carneval Verein wurde offiziell zur Sparte des FC Germania Leeheim.
Mit dem Strukturwandel des Vereins unter der neuen Präsidentschaft kamen viele Neuerungen:
Im Jubiläumsjahr 2025/26 wird zusätzlich erstmals eine „Damenparty“ veranstaltet – ein weiterer Baustein der modernen Vereinsarbeit.
Heute ist der LCV ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Leeheim und weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Besonders die alljährlichen Kappensitzungen, Motto-Abende und vielfältigen karnevalistischen Aktivitäten zeigen, wie lebendig die Tradition der Fastnacht in Leeheim geworden ist und wie sich der Verein über Jahrzehnte weiterentwickelt hat.